„Kapitalmarktfrühling –  Bullenfalle oder Trendwende? “

Knapp 100 Kunden und Freunde der ZVEZA-Posojilnica Bankengruppe kamen am Freitag, den 15. Mai 2009, zum Expertengespräch mit Mag. Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank (RZB). Kaum ein Thema bewegt die Menschen derzeit mehr, wie die weltweite Wirtschaftskrise. Daher war es ein besonderes Anliegen der ZVEZA-Posojilnica Bankengruppe über die aktuelle Situation aus erster Hand zu informieren.

Konjunktur:
Der Chefanalyst sieht krisentechnisch für die Aktien- und Kreditmärkte eine erste Bodenbildung. Denn der ISM-Index, der Konjunkturindikator für die US-Wirtschaft, hat  nach oben gedreht. Dies sei auf die steigende Auftragslage in den USA zurückzuführen. Für Europa prognostiziert Brezinschek in den Jahren ab 2010 ein leichtes Plus. Große Sprünge sind noch nicht zu erwarten. So wird für die Eurozone nur ein BIP Wachstum in 2010 von 0,3 Prozent erwartet. 

Geldmarkt:
Einpendeln soll sich auch der Leitzins der Europäischen Zentralbank, der derzeit bei einem Prozent liegt. "Wir gehen davon aus, dass das auch so bleibt", sagt Brezinschek. Interessanter sei die Entwicklung des 3 Monats EURIBOR, der für kurzfristige Kredite steht und als Basis für Festgeldzinssätze dient. Er wird für Dezember 2009 auf 1,2 Prozent prognostiziert. Kredite seien die Quelle des Geldmengenwachstums und diese Entwicklung nimmt weiter ab, gehe sogar gegen Null, so Brezinschek. "So lange das nicht wieder anspringt, gibt es auch keine Gefahr einer Inflation", sagt der Finanzexperte. Den Dollar sieht Brezinschek in Zukunft wieder weicher werden, eine "Abschwächung steht bevor". Schwächer werden sollen auch der Franken und der Yen.

Osteuropa:
Der Einbruch der CEE-Volkswirtschaften wird heuer, ähnlich wie in der Eurozone zwischen drei und vier Prozent erreichen. Ein Mini-Aufschwung kommt 2010, das volle Wachstums-potenzial kann aber erst wieder 2013 ausgeschöpft werden. „Der Wachstumsvorsprung gegenüber der Eurozone wird sich künftig aber auf zwei Prozentpunkte halbieren“, warnt der Experte. Die Hauptsorgen: Das Wachstum der Vergangenheit war großteils durch ausländische Investitionen finanziert – und die kommen nicht so bald wieder. Zudem baute die Region vor allem auf den Export. „Dieses Wirtschaftsmodell wirkt sich jetzt dämpfend aus“, sagte Brezinschek. 

Resümee:
Zusammenfassend sieht der Chefanalyst das Konjunkturtief Mitte des Jahres erreicht. Die Zinsen bewegen sich auf einem historischen Tiefsstand. Großer Verlierer wird der Dollar sein und die Aktienmärkte werden weiterhin mit hohen Kursschwankungen kämpfen müssen. Für ein Ansteigen der Inflation sieht Brezinschek für die nächsten 2 Jahre keine Gefahr